Die Frage nach der besten Reisezeit für Gran Canaria bekommt man als Reiseblogger ständig gestellt. Und jedes Jahr dasselbe Muster: Jemand hat im Februar eine Woche Regen erwischt und ist enttäuscht, während der Nachbar im selben Monat bei 25 Grad am Strand lag. Wie kann das sein?
Die Antwort liegt nicht in der Jahreszeit, sondern in der Insel selbst. Gran Canaria ist kein homogenes Urlaubsparadies, sondern ein Gebirge mitten im Atlantik – mit erheblichen klimatischen Unterschieden zwischen Nord und Süd, Küste und Bergland. Wer die beste Reisezeit sucht, muss also zuerst wissen, wohin genau es gehen soll.
Wichtige Erkenntnisse
- Die beste Reisezeit für Gran Canaria liegt zwischen April und Oktober – aber nur im Süden der Insel.
- Der Januar ist der kälteste Monat mit durchschnittlich 21 Grad Höchsttemperatur, der August der wärmste mit 28 Grad.
- Die Regenzeit fällt auf Oktober bis Februar, mit durchschnittlich 7 bis 8 Regentagen pro Monat in dieser Periode.
- Der Norden um Las Palmas bleibt auch im Sommer spürbar kühler und feuchter als der touristische Süden.
- Für Wanderer sind Frühling und Herbst ideal – die Temperaturen in der Bergregion liegen dann deutlich unter denen an der Küste.
- Wer günstig reisen will, findet zwischen November und Mitte Dezember die besten Preise bei weiterhin gutem Wetter im Süden.
Gran Canarias Klima verstehen: Warum die Insel keine einfache Antwort gibt
Wer die Klimatabelle von Gran Canaria studiert, sieht auf den ersten Blick ein Traumwetter: Über 300 Sonnentage im Jahr, Durchschnittstemperaturen zwischen 15 und 30 Grad, und nur wenige Regentage. Klingt nach einem einzigen langen Frühling. Und genau da liegt das Missverständnis.
Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und steigt vom Meer bis auf knapp 1.950 Meter an. Diese Topografie zwingt die Passatwinde – die sogenannten Alisios – dazu, an der Nordostküste aufzusteigen. Dort kondensiert die Feuchtigkeit, es bilden sich Wolken und Nebel. Der Norden um Las Palmas und Agaete bleibt dadurch das ganze Jahr über grüner, aber auch spürbar kühler und bewölkter.
Der Süden dagegen liegt im Regenschatten der Berge. Maspalomas, Puerto Rico und Playa del Inglés verzeichnen deutlich mehr Sonnenstunden und weniger Niederschlag. Der Unterschied ist so groß, dass man im Januar problemlos in kurzer Hose am Strand sitzen kann, während 20 Kilometer weiter nördlich dicke Wolken hängen. Ich habe das selbst erlebt: Im Dezember stand ich in Las Palmas im Nieselregen und bin eine halbe Stunde später im Süden bei 24 Grad ins Meer gesprungen.
Die Frage nach der besten Reisezeit lässt sich also nur beantworten, wenn man weiß, was man vorhat. Strandurlaub, Wandern, Städtetrip – für jeden Zweck gibt es einen anderen optimalen Zeitraum.
Die Klimatabelle für Gran Canaria im Überblick
Bevor ich in die Details gehe, hier die nackten Zahlen. Die folgende Tabelle zeigt die Durchschnittswerte über das Jahr verteilt – gemessen an der Küste, denn dort verbringen die meisten Urlauber ihre Zeit.
| Monat | Max. Temp. (°C) | Min. Temp. (°C) | Wassertemp. (°C) | Sonnenstunden (h) | Regentage | Wind (km/h) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Januar | 21 | 15 | 19 | 6 | 3 | 19 |
| Februar | 21 | 15 | 18 | 7 | 3 | 20 |
| März | 22 | 15 | 18 | 7 | 2 | 22 |
| April | 23 | 16 | 19 | 8 | 1 | 23 |
| Mai | 24 | 17 | 20 | 9 | 0 | 25 |
| Juni | 26 | 19 | 21 | 9 | 0 | 28 |
| Juli | 27 | 21 | 22 | 10 | 0 | 30 |
| August | 28 | 22 | 23 | 9 | 0 | 29 |
| September | 27 | 21 | 23 | 8 | 1 | 25 |
| Oktober | 26 | 20 | 23 | 7 | 2 | 22 |
| November | 24 | 18 | 22 | 6 | 3 | 20 |
| Dezember | 22 | 16 | 20 | 6 | 4 | 19 |
Was diese Tabelle nicht zeigt, ist die gefühlte Temperatur. Die liegt im Sommer durch den stetigen Wind oft deutlich unter den angezeigten Werten. Bei 28 Grad Lufttemperatur und 30 km/h Wind braucht man abends auf jeden Fall eine Jacke – das unterschätzen viele Erstbesucher.
Wann ist der kälteste Monat auf Gran Canaria?
Der Januar ist der kälteste Monat auf Gran Canaria. Die durchschnittliche Höchsttemperatur liegt dann bei 21 Grad, nachts kühlt es auf etwa 15 Grad ab. Das klingt nicht besonders kalt – und ist es im Süden auch nicht –, aber im Norden und in den Bergen kann es sich ganz anders anfühlen.
Ich erinnere mich an einen Januar-Trip vor einigen Jahren, als ich mit Freunden eine Wanderung zum Roque Nublo plante. Am Morgen in Las Palmas waren es 18 Grad, in der Bergregion um 1.500 Metern dann plötzlich nur noch 8 Grad und dichter Nebel. Wir hatten Glück, dass wir warme Sachen eingepackt hatten. Wer im Januar nach Gran Canaria fliegt, sollte also beides einpacken: Badesachen und eine Fleecejacke.
Die Wassertemperatur erreicht im Januar und Februar mit 18 bis 19 Grad ihren Tiefpunkt. Für Mitteleuropäer ist das noch badetauglich, aber es braucht Überwindung. Die Einheimischen lachen darüber – für sie ist das arktisch.
Wann ist die Regenzeit auf Gran Canaria?
Die Regenzeit fällt auf die Monate Oktober bis Februar. In dieser Zeit ist im Schnitt mit etwa 7 bis 8 Regentagen pro Monat zu rechnen – wobei der Regen meist regional begrenzt ist und nur wenige Stunden anhält. Ein ganzer verregneter Tag gehört zu den Seltenheiten.
Und trotzdem: Die Verteilung ist ungleich. Der Dezember zeigt mit durchschnittlich 4 Regentagen den höchsten Wert in der Klimatabelle, gefolgt von Januar, Februar und November mit jeweils 3. Von Mai bis August fällt praktisch kein Niederschlag – die Monate verzeichnen 0 Regentage.
Der Regen hat aber auch etwas Gutes: Er verwandelt die Insel in ein Blütenmeer. Das ist der Grund, warum die Berge im Norden im Januar und Februar in sattem Grün stehen, während sie im August braun und trocken sind. Für Landschaftsfotografen ist der Winter die beste Zeit – wenn man das Wetter im Blick behält und flexibel bleibt.
Regen im Süden: Ein anderes Phänomen
Der Süden bekommt von all dem wenig mit. Die regenreichsten Monate dort sind November und Dezember, aber selbst dann bleibt es meist bei kurzen Schauern. Ein typischer Dezembertag in Maspalomas: morgens Wolken, mittags Sonne, nachmittags ein kurzer Schauer, abends wieder klar. Das Wasser ist mit 20 bis 22 Grad immer noch angenehm.
Viel störender als Regen ist im Süden der Wind. Im Juli erreicht er durchschnittlich 30 km/h – das ist der windigste Monat der Insel. An exponierten Stränden wie Playa del Inglés kann das schon mal unangenehm werden. Familien mit kleinen Kindern ziehen deshalb oft die geschützten Buchten von Puerto Rico oder Amadores vor.
Die beste Reisezeit: April bis Oktober im Detail
Kommen wir zur eigentlichen Frage: Wann ist die beste Reisezeit? Meine klare Antwort: April bis Oktober, mit zwei Ausnahmen.
Der April ist ein Geheimtipp. Die Temperaturen erreichen angenehme 23 Grad, die Regentage gehen auf 1 zurück, und die Insel ist noch nicht überlaufen. Die Wassertemperatur von 19 Grad ist frisch, aber ok. Dazu kommt: Die Natur blüht, die Berge sind grün, und die Wanderwege sind in bestem Zustand.
Mai und Juni sind meiner Meinung nach die perfekten Monate. 24 bis 26 Grad Lufttemperatur, 9 Sonnenstunden, null Regentage. Die Wassertemperatur steigt auf 20 bis 21 Grad. Man kann alles machen: Strand, Wandern, Sightseeing. Die Hauptsaison hat noch nicht begonnen, die Preise sind moderat.
Der Juli ist windig, aber warm. 27 Grad, 10 Sonnenstunden, aber eben auch 30 km/h Wind. Wer es aushält, bekommt einen perfekten Strandurlaub. Für Wassersportler ist das ohnehin die beste Zeit – Surfer und Kiter lieben den konstanten Wind.
Im August erreicht die Insel ihren Temperaturhöhepunkt: 28 Grad. Das klingt nicht extrem, kann sich aber in den Touristenorten voll anfühlen. Die Einheimischen nennen es "la canícula" – die Hundstage. Dazu kommen die höchsten Preise des Jahres und volle Strände. Familien haben zu dieser Zeit wegen der Schulferien kaum eine Wahl.
Der September ist mein persönlicher Favorit. Das Meer erreicht mit 23 Grad seine höchste Temperatur – vom ersten Tag an badetauglich. Die Luft ist mit 27 Grad warm, die Kinder sind zurück in der Schule, und die Strände leeren sich spürbar. Nur die Abende werden langsam kühler, früh muss man sich eine Jacke holen.
Oktober: Der unterschätzte Monat
Der Oktober ist die beste Reisezeit für einen Badeurlaub in der Nebensaison. 26 Grad Luft, 23 Grad Wasser, 7 Sonnenstunden. Die Regentage bleiben mit durchschnittlich 2 noch überschaubar. Die Hotels sind deutlich günstiger als im August, und es gibt noch genug Sonne, um braun zu werden.
Ich habe im Oktober mehrere Reisen nach Gran Canaria gemacht und jedes Mal perfektes Wetter im Süden erlebt. Einmal hat es an zwei Nachmittagen kurz geregnet – mehr nicht. Die Abende sind lang und warm, die Restaurants haben geöffnet, und die Stimmung ist entspannt.
Winter und Frühling: Günstig reisen mit Abstrichen
Von November bis März wird es auf Gran Canaria ruhiger – und günstiger. Die Temperaturen bleiben im Süden mit 21 bis 24 Grad tagsüber mild, aber die Nächte werden kühl, und die Regentage nehmen zu. Der Dezember ist mit 4 Regentagen der feuchteste Monat der Insel.
Wer flexibel ist und auf gutes Wetter hofft, sollte den Süden wählen. Maspalomas und Puerto Rico haben die höchste Sonnenwahrscheinlichkeit. Wer im Januar nach Gran Canaria fliegt, um dem deutschen Winter zu entfliehen, sollte die Erwartungen anpassen: Es ist kein Hochsommer, sondern ein sehr angenehmer Frühlingstag – mit der Chance auf ein paar kühle, bewölkte Tage.
Die günstigste Zeit des Jahres ist übrigens zwischen November und Mitte Dezember. Die Herbstferien sind vorbei, die Weihnachtsfeiertage noch nicht da. Die Hotelpreise fallen um 30 bis 40 Prozent gegenüber dem August, und das Wetter ist im Süden meist noch gut. Ein Schnäppchen für alle, die zeitlich flexibel sind.
Welche Reisezeit für welchen Urlaubstyp?
Die Klimatabelle allein reicht nicht. Entscheidend ist, was Sie auf der Insel vorhaben. Hier meine Einteilung nach Erfahrung – mit einigen Überraschungen.
Für Strandurlauber: Juni bis Oktober
Wer nur baden will, braucht warmes Wasser. Das hat Gran Canaria von Juni bis Oktober. In dieser Zeit liegen die Wassertemperaturen zwischen 22 und 23 Grad – ideal. Die lufttemperaturen sind mit 26 bis 28 Grad perfekt, und die Sonnenstunden sind maximal. Wer Hitze verträgt, kommt im August, wer es etwas ruhiger mag, im September.
Ein Tipp aus der Praxis: Im Süden gibt es Strände mit ruhigem Wasser (Puerto Rico, Amadores) und solche mit Wellen (Maspalomas, Playa del Inglés). Für Kinder sind die geschützten Buchten besser – und die sind im Sommer weniger windig.
Für Wanderer: März bis Mai und September bis November
Gran Canaria ist ein Wanderparadies, und die beste Zeit dafür ist Frühling und Herbst. Die Temperaturen in den Bergen liegen dann bei angenehmen 15 bis 20 Grad – perfekt zum Wandern. Im Sommer wird es in den Bergen zu heiß, im Winter zu kühl und nass.
Die berühmtesten Routen führen zum Roque Nublo und durch die Schlucht von Tejeda. Wer gut zu Fuß ist, kann die Insel in 3 bis 4 Tagen einmal durchqueren. Die Aussicht vom Pico de las Nieves – dem höchsten Punkt – ist bei klarem Wetter atemberaubend.
Für Wassersportler: Juli bis September
Die Alisios sorgen im Sommer für konstanten Wind – ideal für Surfer und Kiter. Die besten Spots liegen im Süden bei Pozo Izquierdo. Wer Tauchen will, findet das klarste Wasser im Sommer, wenn die Algenblüte vorbei ist.
Und die berühmten Wale? Die sind das ganze Jahr über da, aber die besten Sichtungen gibt es laut den lokalen Bootsführern im Winter, wenn die Tiere näher an die Küste kommen.
Fazit: Die beste Reisezeit gibt es nicht – aber die richtige für Sie
Nach all den Jahren, die ich auf Gran Canaria verbracht habe, habe ich eine einfache Antwort parat: Wer einen klassischen Strandurlaub will, fliegt zwischen April und Oktober. Wer Ruhe und günstige Preise sucht, fährt im November oder Dezember in den Süden. Und wer wandern will, kommt im Frühling oder Herbst. Nur mit einer einzigen Erwartung sollte niemand nach Gran Canaria kommen: mit der Hoffnung auf einen einzigen, perfekten Monat. Die Insel hat so viele Gesichter, dass sich eine Reise immer lohnt – wenn man weiß, wohin man fährt.
Mein letzter Tipp: Buchen Sie die Unterkunft im Süden, aber mieten Sie für ein paar Tage ein Auto. Dann können Sie bei schlechtem Wetter schnell von der Nord- auf die Südseite wechseln – oder umgekehrt. Die Insel ist klein, die Fahrt von Las Palmas nach Maspalomas dauert nur 40 Minuten. Und genau diese Flexibilität ist am Ende mehr wert als jeder Klimatabellen-Ratgeber.